Japanische Mädchen in deutschen Shirts

„Japanische Mädchen“ ist jeden Monat aufs Neue der Top-Suchbegriff, der bei google zu meinem Blog führt. All denen, die japanische Mädchen in mein Blog suchen, sei gesagt:

Vor dem Foto „Das Mädchen und die Metropole“ hatte ich ein Auftragsshooting mit zwei Mädels. Das Ganze war für Shirts der Firma Graniph.

Graniph ist ein Design T-Shirt Store in und aus Japan, die eingesendete Designs in großer Auflage auf T-Shirts drucken und verkaufen. Allein in Tokyo haben sie über 100 Läden, mit durchaus coolen Shirts. Ich hab mir eins mit ner alten Spiegelreflex-Kamera drauf gekauft.

Das, zumindest für Deutsche, Witzige an dieser Firma ist, dass sie gerne deutsche Wörter auf die Shirts drucken. Die Wörter ergeben dann meist keinen Sinn, sind aber beliebt und werden von den Japanern gern getragen, weil unsere Buchstaben als exotisch gelten – so wie bei uns die japanischen Zeichen auf T-Shirts.

Eine kleine Auswahl von dem, was mir hier schon begegnet ist (unübersetzt, original):

– „Hey Du, ich mag Tiger“
– „Deutscher Amateur-Turn-Verband“
– Ein Fließtext auf einem Shirt, mit Auszügen aus einem Werk von Goethe, einem Werk von Schiller und dem deutschen BGB
– „Kulturschock“ (getragen von einem Japaner)
– „Spirale“
– „Motorradwetter“

Bevor ich nach Japan geflogen bin, noch in Berlin, fand eine Ausstellung mit T-Shirts dieser Marke statt. So habe ich überhaupt erst von diesen Shirts erfahren. Hier in Tokyo habe ich nun die Firma kontaktieren, mit dem Hinweis, ich würde doch gern einen Beitrag für die deutschen Medien, genauer gesagt für die Berliner Medien machen, und ob sie mir nicht ein paar Shirts zur Verfügung stellen könnten. Ich habe mir natürlich die Shirts ausgesucht, die ich persönlich gerne hätte.

In der weltweiten Zentrale war man begeistert und lud mich zum Gespräch. Vorallem da Graniph gern in Berlin einen Laden aufmachen möchte, sind sie an Werbung interessiert. Und ganz ehrlich: Das Deutsch auf den Shirts ist so dermaßen panne, dass es schon wieder cool ist. Das verkauft sich in Berlin wunderbar.

Die deutschen Designs werden zumeist von Nicht-Deutschen gemacht. Jedoch hat Graniph einen Deutschen angestellt, der da vorm Druck nochmal drüber schaut, ob alles korrekt geschrieben ist. Der hat bestimmt einen lustigen Arbeitstag.

Um über die Shirts einen Beitrag zu machen, brauchte ich Japaner, die sie tragen. Wirkt auch athentischer.

Im Sommer hatte ich Shiori und ihre Freundinnen kennengelernt. Shiori war ein Jahr in den USA und spricht daher wunderbares Englisch. Mit ihren Freundinnen war die Kommunikation etwas schwieriger. Alle hatten aber Lust auf ein Fotoshooting. Da sie dazu noch recht hübsch waren, stand dem von meiner Seite aus nicht mehr viel im Wege.

Das Shooting für die Shirts war dreimal neu angesetzt worden, weil sie bei den ersten beiden Malen nicht aufgetaucht sind. In Berlin hätte das bedeutet, dass Fotograf und Model nie wieder ein Wort miteinander wechseln, aus Frustration und schlechten Gewissen.
Hier nun aber haben sich die Japanerinnen fünfmal entschuldigt und mich, der ihnen für das Shooting nicht mal was zahlen kann, als Entschädigung zum Essen eingeladen. Find ich gut, sollte man in Berlin auch einführen.


„Berlin Rätsel Voll Musik“

Ich mach eigentlich sonst keine Fashion-Fotografie, und habe mich zu Anfang auch etwas schwer getan. Ich wollte zwei Sachen probieren, bzw. zeigen: einmal ein modernes, urbanes Japan, und einmal ein etwas traditionelleres. Fürs Urbane sind wir wetterbedingt in den Untergrund der Shinjuku-Station gegangen, wo ein paar coole Lichtsäulen standen.


„Auf die Straße weglaufen. Bilderbuch“

Ich hab die Stelle nicht gleich gefunden, und wir sind ein wenig rumgeirrt. Während wir so suchten erzählten mir beide, dass sie früher gemodelt haben. Ich merkte es, sie waren wirklich professionell bei der Sache, und hatten ihren Spaß.

Das hunderte von Menschen an ihnen vorbei gingen und komisch guckten, störte sie nicht im Geringsten.

Wir hatten nun drei Shirts für zwei Mädels. Das gab ein Problem fürs dritte Shirt. Ich machte nun aus der Not eine Tugend und ließ sie vor der Kamera um das dritte Shirt streiten:


„Die Froschkönig Kamera“


Sie hatten ihren Spaß…..


…auch der Typ im Hintergrund.


Würd mal sagen, Shiori hat gewonnen 😉

Graniph gab mir zwar die Shirts, die ich wollte, aber leider nicht in einer Europäer-tauglichen Größe. Für Japanerinnen waren sie aber auch zu groß…

Da ich mir bei dem Shooting nicht sicher war, und noch den traditionellen Aspekt abdecken wollte, sind wir noch nach oben in eine Seitenstraße von Shinjuku, die wirklich aussieht, wie man sich Asien vorstellt. Eng, lauter kleine Läden, viel Holz und ca. 100 Ramen-Restaurants.


(man achte auf die Person im Hintergrund)

Da die Leute schon komisch guckten, und unsere Klamotten so langsam nach Ramen rochen, gingen wir noch kurz woanders hin. Zu den Illuminationen rund um die Shinjuku-Station:

Danach hatte ich genug Bilder für die T-Shirt Aktion, aber es war eine angenehme Stimmung und die Mädels, sowie auch ich, wollten noch ein paar Bilder machen. Wir sind dann noch durch eine milde Tokyoter Nacht (20°C im November) spaziert.

Unter anderem auch das Tokyo Metropolitan Government Building hoch, wo das Foto aus dem Artikel hierdrunter entstanden ist. Von Kanna habe ich auch noch so eins gemacht:

Passt ganz gut zu ihr, finde ich. Shiori ist recht stürmisch vom Charakter, Kanna ist eher ruhig und zurückhaltend. Vielleicht hat sie sich deswegen das hintere Fenster ausgesucht.

Alles in allem war es ein sehr angenehmes Shooting und ein sehr angenehmer Abend. Es hat zwar etwas gedauert, bis es stattfinden konnte, aber trotzdem nochmal vielen Dank an euch zwei!!

Hier gehts zum Graniph-Shop Der Versand erfolgt weltweit, aber eben nur solange der Vorrat reicht. Von den „Berlin Rätsel Voll Musik“ Dingern ist kaum noch was da….

Gefühlte Entwicklung

Ich hatte hier schon einmal zwei Bilder gezeigt, die ich gerne einmal gegenüber stellen möchte:

von oben“ aus dem allerersten Blog-Eintrag


Das Mädchen und die Metropolezwei Einträge weiter unten

Ich hatte beide Bilder bei einer Online-Fotocommunity hochgeladen, und sie wurden natürlich miteinander verglichen. Ich habe dann selber nochmal überlegt, vorallem um die Antwort auf die Frage zu finden: Welches ist besser?

Eine Antwort gibt es darauf nicht. Denn auch wenn die beiden Bilder das selbe Motive haben, so sind sie doch tatsächlich grundverschieden. Meine Antwort auf die Frage nach einem Vergleich war diese:

…denn was wir hier haben, ist das selbe motiv, aber mit unterschiedlichen Foto-Richtungen. Das mit dem Mädchen ist gestellt. Das Andere wäre dokumentarisch/journalistisch.

Das erste Bild spiegelt meinen Eindruck wieder, den ich zum damaligen Zeitpunkt (zwei wochen in tokyo) hatte: alles ist groß, leuchtend und erstaunlich. Der Mann spiegelte meinen inneren Eindruck, meine Gefühle zu dem Zeitpunkt wieder, daher drückte ich ab.

Das Bild mit dem Mädchen entstand letzte Woche nach einem längeren Auftragsshooting mit ihr, wir sind dann noch durch die milde tokyoter Nacht spaziert, und eben auch hoch in den 45. Stock Tokyo Metropolitan Government Building, weil sie noch nie da war. Ich bin nun seit 4-5 Monaten hier (wie die zeit vergeht….), das erste Erstaunen hat sich gelegt, viel mehr träum ich jetzt über weitere Chancen und meine Zukunft in dieser Metropole. Daher war mir hier auch eher nach nem nachdenklichen Gesichtsausdruck, den ich mit ihr ausdrücken wollte.

Welches man bevorzugt, ist Geschmackssache, denke ich. Beide spiegeln aber irgendwie meine Gefühle und Gedanken von diesen Momenten wieder, die ebenso einer konstanten Änderung unterworfen sind. Vielleicht ergibt sich, dass ich beim Ende meines Aufenthalts nochmal zufälig da oben bin, und ein ähnliches Bild mache. Vlt ist es dann resignation oder freude oder….

…oder etwas anderes.

Ich hatte gerade meiner Assistentin hier versucht zu erklären, dass Gefühle in einem Bild, auch wenn man als Betrachter nicht unbedingt von ihnen weiß, ein Foto in seiner Aussage verstärken können. Ähnliches habe ich schon anhand von dem Foto „Die Mauer in den Köpfen“ erklärt, mehr dazu hier.
Aber ich finde, diesen beiden Beispiele, gerade weil sie sich so ähnlich sind, illustrieren das auch sehr gut.